Mobiles Arbeiten: Ein Selbstversuch auf den Shetland-Inseln
Überall hört man von den Vorteilen des mobilen Arbeitens; es könne Kreativität und Motivation fördern, die Work-Life-Balance verbessern und durch mehr Autonomie und Freiheit zu höherer Zufriedenheit und mehr Wohlbefinden führen.
Aber ist das wirklich so oder fällt es vielleicht schwer, Work und Life in Einklang zu bringen, wenn man länger unterwegs ist? Oder wird die Enge irgendwann nervig, weil der Partner zur gleichen Zeit eine Videokonferenz hat? Anja wollte es gerne ausprobieren und berichtet von ihrem Selbstversuch.
Ich schreibe diesen Artikel aus den Camper Van. Es stürmt und regnet gerade, sonst säße ich wahrscheinlich draußen. Ich habe das Privileg, meine Arbeit mit auf Reisen nehmen zu dürfen. Gemeinsam mit meinem Partner verbringe ich eine Weile – sieben Wochen, um genau zu sein – im Camper Van auf den Shetland-Inseln.
Draußen Natur pur – drinnen Laptop und Headset
Die raue Küstenlandschaft, grünen Hügel und beeindruckenden Klippen bieten eine perfekte Kulisse für produktives Arbeiten und bieten mir neue Inspiration.
Mit meinem mobilen Büro, manchmal umringt von Schafen und Shetland Ponys und dem lustigen Krächzen der brütenden Papageientaucher im Hintergrund, kann ich die Schönheit der Shetland-Inseln genießen, ohne die beruflichen Verpflichtungen zu vernachlässigen.
Von Satelliteninternet und Solarstrom –
gute Vorbereitung ist das A und O
Damit das Arbeiten im Van auch funktionieren würde, war im Vorfeld zunächst einiges an Vorbereitung notwendig: Für die Stromversorgung wurden zwei zusätzliche Solarpaneele aufs Fahrzeugdach montiert. Ein kleiner, mobiler Router mit SIM-Karte war bereits vorhanden. Aus vorherigen Besuchen der Inseln wusste ich, dass das Mobilfunknetz auf den Inseln nicht immer verlässlich ist und so wurde als Hauptverbindung eine Satelliteninternetlösung angeschafft. Nun stand dem Abenteuer im hohen Norden kurz unterm Polarkreis nichts mehr im Wege.
Anfangs war es schon etwas ungewohnt sich auf unseren knapp 12m2 zu zweit zu organisieren. Wer sitzt wo? Wer muss wann telefonieren? Das hatten wir jedoch schnell raus und ich nutzte gerne unsere Küchenzeile als Stehtisch, wann immer eine räumliche Trennung notwendig war. Die mitgenommenen Kopfhörer mit Active Noise Cancelling taten ihr Übriges, so dass die Gesprächspartner am anderen Ende in der Regel gar nicht mitbekamen, dass hier zwei Leute telefonierten.
Die Abstimmung mit den Kollegen im Büro war nicht sonderlich anders als üblich, da ich auch sonst im Homeoffice arbeite und wir viel über MS Teams kommunizieren. Unser wöchentlicher Jour Fixe wurde nun aber ab und zu um eine kleine Videotour unseres aktuellen Standorts ergänzt.
Auf mein Notizbuch wollte ich auch im Van nicht verzichten, da ich selbst handschriftlich Notiertes einfach besser behalten und verarbeiten kann. Alle notwendigen Unterlagen für die tägliche Arbeit lagen mir aber, zum Teil auch durch die liebe Unterstützung der Kollegen im Büro, digital vor.

Ich hatte daher lediglich die Einschränkung, keinen zweiten großen Bildschirm zu haben, so dass manche Arbeiten durchaus ein wenig mühsamer waren. Und natürlich bedeutete die Zeitverschiebung, dass der Arbeitstag vor Ort eine Stunde früher begann. Das ließ jedoch auch nach Feierabend viel Zeit für die Erkundung der Inseln.
Heute, nach gut der Hälfte meiner Reise, ziehe ich ein durchweg positives Fazit: Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass mobiles Arbeiten nicht nur möglich, sondern auch bereichernd sein kann. Die Kombination aus atemberaubender Natur und beruflicher Flexibilität eröffnet neue Perspektiven und zeigt mir, wie wunderbar Arbeit und Abenteuer Hand in Hand gehen können.
Transparente Kommunikation mit dem Arbeitgeber öffnet Horizonte
Natürlich braucht diese Art des mobilen Arbeitens eine sorgfältige Vorbereitung: Die längere Abwesenheit muss intern rechtzeitig geplant und abgestimmt werden. Denn seien wir ehrlich – nicht alle Aufgaben können von unterwegs erledigt werden und so ist auch von den Kollegen im Büro eine gewisse Flexibilität nötig. Essenziell ist zudem, sich über die Gegebenheiten im Reiseland gut zu informieren und sich auf mögliche technische Schwierigkeiten ausreichend vorzubereiten, damit diese schnell und effizient behoben werden können und die Reiseerfahrung nicht trüben.
Wenn Unternehmenskultur mobil wird – und sichtbar wird, was uns ausmacht
Feldus betrat mit dieser Form des Arbeitens unbekanntes Terrain und dieser Weg wurde für uns ein voller Erfolg. Erst mit dem Schreiben dieses Artikels wurde uns bewusst, wie authentisch wir unsere Werte, die wir vor sechs Jahren formuliert haben, tatsächlich leben: Mit unserem Mut für Neues waren wir aufgeschlossen für Anjas Idee. Wir kommunizieren offen und ehrlich, haben so auch Für und Wider dieses Abenteuers im Team besprochen und gemeinsam einen tragfähigen Plan aufgestellt.
Wir nehmen Verantwortung an – in diesem Fall für neue Wege, für gute Zusammenarbeit und für die Weiterentwicklung unserer Arbeitskultur. Besonders beeindruckt hat uns, mit welchem Verantwortungsbewusstsein Anja ihre Aufgaben auch unterwegs wahrnimmt. Dieses Projekt zeigt, wie Vertrauen, Flexibilität und gute Vorbereitung neue Arbeitsformen ermöglichen.
Haben Sie in Ihrem Unternehmen bereits ähnliche Modelle ausprobiert oder denken Sie darüber nach? Wir freuen uns über den Austausch mit anderen Organisationen, die neue Wege des Arbeitens ermöglichen – nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf!

